Wie DNA die HLT-Apologeten spaltet

Wie DNA die HLT-Apologeten spaltet

 

Simon G. Southerton

 

Hauptleitender der wissenschaftlichen Forschungsgruppe

der „Angewandten Biotechnologie und Genomwissenschaft, CSIRO Forest Biosciences, Canberra, Australien

 (übersetzt von Manfred Trzoska)

 

Die Dringlichkeit der molekularen Forschung an den Vorfahren der amerikanischen Indianer im letzten Jahrzehnt hat für hastige Aktivitäten in der HLT-Apologeten-Gemeinschaft gesorgt. Für viele ist es beunruhigend gewesen zu erfahren, dass die DNA lebender amerikanischer Indianer der DNA von Populationen in der Umgebung des Baikal-Sees im Süden Sibiriens ähnlich ist.

Während die DNA amerikanischer Indianer mit nahöstlicher DNA entfernt verwandt zu sein scheint, falls es nahöstliche Gruppen gegeben hätte, die die Neue Welt erst vor 2500 Jahren betraten und große Zivilisationen aufbauten, sind ihre DNA und ihre Zivilisationen ohne jede Spur verschwunden. Die allgemeine akademische Gemeinde ist weit weniger durch die DNA-Forschung überrascht worden. Es gab seit langem schon die wissenschaftliche Übereinstimmung, dass sich die Zivilisationen der amerikanischen Indianer unabhängig von jedem Einfluss oder Beitrag der Alten Welt entwickelten und dass die hauptsächlichen Vorfahren der amerikanischen Indianer vor ungefähr 20.000 Jahren begannen, den Kontinent über die Bering-Landbrücke zu betreten. Traurigerweise wird von Mormonen immer noch erwartet, an Dinge über die amerikanischen Indianer zu glauben, die nicht wahr sind.

 

Man mag die Mormonen dafür entschuldigen, dass sie denken, dass HLT-Gelehrte sich bei ihrer Verteidigung des Buches Mormon angesichts der DNA-Entdeckungen einig sind. Die HLT-Apologeten kommen aber in allen Schattierungen und Farben und ihre apologetischen Reaktionen widersprechen ständig den Argumenten ihrer Kollegen. Einige weigern sich, jedem Boden auf dem DNA-Schlachtfeld zuzustimmen, indem sie an der verbreiteten traditionellen Sichtweise festhalten, dass die Lehiten in der Prähistorie der Neuen Welt die Hauptrolle spielten (Vertreter der Hemispärischen Geographie). Die meisten Apologeten bevorzugen die Zahlensicherheit, die von der jetzt quasi-offiziellen Sichtweise angeboten wird, dass sich die Buch-Mormon-Ereignisse in einem kleinen Gebiet Mittelamerikas zutrugen (Vertreter der Eingeschränkten Geographie). In dieser Theorie, die von John Sorenson und seinen Anhängern am Neal A. Maxwell Institut an der BYU verfochten wurde, waren die Lehiten eine kleine Gruppe von Siedlern, die eine stark bevölkerte Neue Welt betraten. Folglich leisteten sie einen unauffindbaren Beitrag am Genpool der amerikanischen Indianer. Eine weitere Theorie mit einer schnell wachsenden Armee von Unterstützern argumentiert, dass die lehitischen und jareditischen Zivilisationen in der Umgebung des Staates New York in Nordamerika angesiedelt waren (Vertreter der Nordamerika-Geographie). Dennoch wenden sich andere einem weiteren Extrem zu, indem sie glauben, dass die Lehiten nicht einmal Amerika erreichten, sondern eher andere Länder wie die malayische Halbinsel in Südostasien besiedelten (Vertreter alternativer Geographien).

 

Es ist unmöglich – und ich könnte hinzufügen: ziemlich zwecklos -, eine umfassende Antwort auf solch ein gespaltenes Sperrfeuer zu geben. Die Aufgabe wird aber irgendwie durch die Tatsache leichter gemacht, dass viele der feindlichsten apologetischen Angriffe auf die Kritiker auch gegen die wetteifernden HLT-Apologetik-Theorien angewendet werden könnten. Bevor ich auf die spezifischen Apologeten-Argumente eingehe, würde ich gern auf ein übliches Argument eingehen, dass Apologeten ständig gegen Kritiker anführen. Die meisten behaupten, dass die Kritiker einen „Strohmann“ aufstellen – dass Mormonen glauben, dass alle amerikanischen Indianer Lamaniten sind – und dann diesen Glauben einäschern, indem sie den DNA-Beweis benutzen. Durch diese Behauptung konstruieren die Apologeten genau ihren eigenen „Strohmann“. Es ist nicht nötig, den Brennpunkt allein auf die traditionelle Geographie zu richten, da die DNA-Beweise alle wetteifernden apologetischen Theorien ernsthaft in Frage stellen.

 

Vertreter der Hemisphärischen Geographie

Einige Mormonengelehrte weigern sich, von der traditionellen Sichtweise abzurücken, dass die Lehiten und Jarediten die hauptsächlichen amerikanischen Siedler waren. Für sie lässt die Buch-Mormon-Erzählung genügend Spielraum, um einen Vorrat an nichtisraelitischen „Anderen“ einzuschließen. Diese Gelehrten finden es schwierig, die zahlreichen Aussagen von früheren Propheten, einschließlich Joseph Smith fallen zu lassen, die diese hemisphärische Sichtweise unterstützen. Vielmehr können sie die überspannten Neuauslegungen des Buches Mormon nicht verdauen, die die Vertreter der Eingeschränkten Geographie vornehmen, um die Millionen Nichtisraeliten zu erklären, die seit Zehntausenden von Jahren in der Neuen Welt gelebt haben [sollen].

 

Der auffälligste Apologet der Hemisphärischen Geographie ist David Stewart, Webmaster des Cumorah-Projekts (www.cumorah.com), einer Website, die umfassende statistische Daten der HLT darstellt, die die jüngste Abschwächung des HLT-Kirchenwachstums offenbart haben. In Stewarts Sichtweise stimmen die gegenwärtigen DNA-Daten mit der traditionellen hemisphärischen Sichtweise über die Vorfahren der amerikanischen Indianer überein, die alle oder die meisten amerikanischen Indianer von Buch-Mormon-Völkern abstammen lässt.

 

In seinem Artikel „DNA and the Book of Mormon“, veröffentlicht auf der Website der Foundation for Apologetic Information and Research (FAIR)1 kommt Stewart zu folgendem Schluss:

 

Die neueste Explosion von molekularen DNA-Daten hat zu einem beträchtlichen Anwachsen an Kenntnis über unsere Wurzeln geführt. Einige Personen haben aber Schlüsse gezogen, die weit von einer Bestätigung durch vorhandene Daten entfernt sind, und sie weit verbreitet. Die Behauptungen von Kritikern, dass DNA-Beweise die traditionellen HLT-Lehren über die Vorfahren der Ureinwohner Amerikas widerlegen, gründen auf einem Missverständnis oder einer Falschauslegung der Wissenschaft und auf Unwissenheit über die Geschichte und die Heilige Schrift.

 

In seinem Artikel stellt Stewart seine Ansicht über menschliche DNA-Genealogie dar, bei der die Verlorenen Stämme des Hauses Israel eine Schlüsselrolle bei der Bevölkerung der Welt spielen. Stewart gemäß „stimmen die genetischen Beweise einer oder mehrerer nahe verwandten Gründergruppen, die als Vorfahren der überwiegenden Mehrheit der Ureinwohner Amerikas gelten, völlig mit der traditionellen HLT-Sichtweise überein, die die amerikanischen Indianer von den Lamaniten, Nephiten und Mulekiten abstammen lässt.“ Sorenson-Apologeten (siehe unten) haben lange und hartnäckig gegen diese traditionelle Sichtweise argumentiert und ich werde meine Anmerkungen auf Stewarts schamloseste Falschdarstellungen der DNA-Wissenschaft beschränken.

 

Stewart behauptet, dass das am reichlichsten vorhandene Y-Chromosom der amerikanischen Indianer, die Q-Linie, eine grundlegende jüdische Linie sei, dass es deshalb wahrscheinlich sei, dass jüdische Q-Linien ihren Weg nach Amerika durch Lehi fanden.

 

Marker Q-P36 (auch als M-242 bekannt), von Behar und Kollegen als grundlegende Linie unter den Ashkenazi-Juden2 vorausgesetzt... findet man bei über 76% der Ureinwohner Amerikas. Douglas Forbes schreibt: „Wir finden M242 über ganz Zentralasien verstreut und in Turkestan direkt nördlich von Iran konzentriert vor. Die Zehn Stämme, einschließlich Manasse wurden nach Media (Nordwestiran) in Gefangenschaft gebracht. Somit findet man M242 dort verstreut, wo man es erwarten würde, wenn die Legenden über das Entkommen der Zehn Stämme aus der Gefangenschaft, wobei sie nach Norden gingen, wahr sind.“ ... Die Entdeckung zweier dominanter Y-Chromosom-Linien in Populationen amerikanischer Indianer steht im Einklang mit der traditionellen Sichtweise, dass Lehi und Ishmael die hauptsächlichen männlichen Vorfahren der Ureinwohner Amerikas darstellen, wobei Zoram und die Mulekiten zu unbedeutenderen Linien beitrugen.

 

Es gibt zwingende Beweise, die zeigen, dass die Q-P36-Linien der Ureinwohner Amerikas aus Sibirien kamen und nicht von jüdischen Populationen. Die Q-P36-Linie ist eine unbedeutende (~5%) Linie unter den Ashkenazi (Behar u. a., 2004), aber es ist höchst wahrscheinlich, dass sie ihren Ursprung bei den umgebenden europäischen Populationen hat, wo sie in ähnlichen Frequenzen auftritt.3 Die Behauptung, dass die Q-Linie „über ganz Zentralasien verstreut und in Turkestan konzentriert“ ist, ist äußerst irreführend. Die Q-Linie tritt mit einer Frequenz von 10% in Turkestan auf; aber die höchsten Konzentrationen der Q-Linie in Populationen außerhalb von Amerika befinden sich in den Selkupen und Keten (66-94%), die an das Altai-Gebirge im südlichen Sibirien angrenzen.4 Die Altai-Populationen haben auch die höchsten Frequenzen von mtDNA Gründerlinien A, B, C, D und X der amerikanischen Indianer.5 Da sibirische Altai-Populationen hohe Frequenzen väterlicher und mütterlicher DNA-Linien aufweisen, die sehr eng mit den Linien der amerikanischen Indianer verwandt sind, ist es besonders wahrscheinlich, dass die Q-P36-Linie aus Sibirien hervorging.

 

Stewart ist bei der Verwendung von Beweisen aus wissenschaftlichen Zeitungen, die er zitiert, selektiv, besonders wenn die Daten nicht zu seiner Israel zentrierten Weltanschauung passen. Sowohl Zegura (2004) als auch Seielstad (2003) schließen, dass Q-P36-Linien bei amerikanischen Indianern von einer gewöhnlichen Linie abstammen, die zwischen 14.800 und 17.200 Jahren in Asien vorhanden war.6 Dieses Alter schließt die Wahrscheinlichkeit aus, dass Q-P36-Linien von amerikanischen Indianern ihren Ursprung in einer nahöstlichen Gruppe hatten, die gerade mal vor 2500 Jahren in Erscheinung trat. Diese Schätzungen stimmen mit den neuesten Altersschätzungen von mtDNA-Linien der Neuen Welt von ungefähr vor 19.000 Jahren überein, wie es in einer Studie von 2008 präsentiert wurde, die gemeinsam von den mormonischen Forschern Ugo Perego und Scott Woodward herausgegeben wurde.7

 

Stewarts Ansichten zur DNA und seine Auslegung der Buch-Mormon-Erzählung stimmen gänzlich nicht mit den meisten Mainstream-HLT-Apologeten überein, die die Hemisphärische Geographie als gut abgestempelt haben. Während beide einen unbeugsamen Glauben an die Geschichtlichkeit des Buches Mormon teilen, trennen Welten ihre Ansichten darüber, wo diese Geschichte stattgefunden haben soll.

 

Vertreter der Eingeschränkten Geographie

Die meisten Apologeten vermeiden jetzt die populären HLT-Ansichten über den Ablauf der Buch-Mormon-Geschichte in der Prähistorie der Neuen Welt. Überwältigende wissenschaftliche Beweise, dass die amerikanischen Indianer im Wesentlichen alle von sibirischen Vorfahren abstammen und ungefähr 20.000 Jahre lang auf den amerikanischen Kontinenten gelebt haben, haben viele Apologeten dahin geführt, dass sie die Buch-Mormon-Geographie auf ein begrenztes Territorium in Mittelamerika schrumpfen ließen. Anstatt dass die Lehiten einen Kontinent betraten, der „bis dahin vor der Kenntnis anderer Nationen bewahrt wurde“,8 lassen wir sie in dichtbevölkerte vorher exististierende Zivilisationen eintreten und ihre DNA auf nicht erkennbare Ebenen verunreinigen. Zahlreiche andere Probleme, wie die Erfordernis für einen zweiten, mittelamerikanischen Hügel Cumorah und den Transport der Goldplatten über 3000 Meilen zum Hügel Cumorah in New York, werden bei dem apologetischen Vorstoß unter den Teppich gekehrt. Ein weiteres missliches Problem ist, dass der Gott, der zu Joseph Smith spricht, oft die amerikanischen Indianer in Nordamerika als Lamaniten bezeichnete (siehe Lehre und Bündnisse 28:8-9, 14; 30:6; 54:8).

 

Als Reaktion auf die DNA-Beweise, die das Buch Mormon als tatsächlichen Geschichtsbericht in Frage stellen, ist vor kurzem eine Flut von FAIR-gesponsorten DVDs erschienen. Werbestreifen aus ihnen sind auf YouTube veröffentlicht worden und viele enthalten Interviews mit gläubigen Mormonengelehrten. Die prominenteste DVD ist The Book of Mormon and New World DNA, die 2008 von FAIR produziert wurde.9 Der Form getreu befassen sich die ersten 3 bis 4 Minuten der Präsentation damit, die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit der beiden lautstärkeren „Buch-Mormon-Kritiker“ zu untergraben, des Anthropologen Thomas Murphy und eines Pflanzengenetikers (womit ich gemeint bin). Die Produzenten der DVD präsentieren dann ein Aufgebot von Interviews mit sieben HLT-Apologeten, von denen fünf keine molekulare Ausbildung haben, einschließlich D. Jeffrey Meldrum, eines Mitprofessors für Anatomie und Anthropologie an der Idaho State University. Meldrum ist für seine Besessenheit für Bigfoot sehr berühmt und seine Auslegung von „Beweisen“ für diese als Gerücht verbreitete Lebensform hat starke Kritik in der anthropologischen Gemeinschaft ausgelöst.

 

Selbst wenn man eine Million Beweisstücke hätte und all die Beweise nicht überzeugend sind, kann man sie nicht einfach zusammenzählen, um etwas Schlüssiges daraus zu machen. - David J. Daegling, University of Florida10

 

Keith Crandall, Professor und Vorsitzender der Abteilung für Biologie an der Brigham-Young-Universität, ist der Star-Rekrut für die FAIR-Apologeten; seine Prominenz auf der DVD ist wahrscheinlich seine Erfahrung mit der Lehre der Genetik in der Population. Er ist ein vor kurzem Bekehrter zur HLT-Kirche – neu in der Apologeten-Arena – und gibt mit einer Aufsehen erregenden Behauptung, die zur Betonung im Laufe der DVD dreimal wiederholt wird, ein bemerkenswertes Debut:

 

Der neueste DNA-Beweis in Bezug auf die Besiedelung der amerikanischen Kontinente, den ich gesehen habe, zeigt diesen nahöstlichen Haplotyp im Maya-Volk in größten Frequenzen; wenn es also Ihre Auffassung darüber ist, wo Lehi und seine Begleiter sich einrichteten, dann würden die DNA-Beweise damit übereinstimmen.

 

Wissenschaftler haben die Maya Jahrzehnte lang studiert und keinen verlässlichen Beweis gefunden, dass sie von nahöstlichen Populationen abstammten. Wenn es echte Beweise für präkolumbianische nahöstliche DNA unter den Maya gäbe, wäre dies eine Welt bewegende Entdeckung, die in der ganzen Welt Schlagzeilen machen würde. Die Daten, die Crandall zitiert, stammen aus einem Papier aus 2005 von Noah Rosenberg und Kollegen, die Variationen in der menschlichen, chromosomalen DNA untersuchten.11 Sie testeten 993 chromosomale Lagen an Personen, die unter dreiundfünfzig Populationen in Afrika, Amerika, Zentral-/Südasien, Ostasien, Europa/Nahost und Ozeanien ausgewählt wurden. Die Forscher versahen die Abweichungen mit einem Farbcode, um ihnen bei der Deutung zu helfen. Abbildung 1 unten zeigt Rosenbergs Ergebnis, das die globale chromosomale DNA in fünf Gruppen einteilt. Nicht unerwartet haben Menschen aus denselben Regionen der Welt verwandte DNA, die das Team mit orange für afrikanische DNA kodierte, blau für europäisch/nahöstlich, rosa für asiatisch, grün für ozeanisch und purpur für amerikanisch. Eurasien ist so groß, so dass sie die chromosomale DNA in zwei Gruppen teilen mussten. Es erweist sich, dass, während man von Frankreich nach China spaziert, der Anteil von rosa zu blauen Chromosomen allmählich zunimmt. Auf jeden Fall kommt Professor Crandall, der auf der FAIR-DVD sehr weit geht, um darauf hinzuweisen, wie heikel diese Art von bevölkerungsgenetischen Daten sind, zum Schluss, dass, da ein kleiner Teil der Maya-Chromosomen blau gefärbt ist (die vorherrschende Farbe der nahöstlichen Chromosomen), dies Beweis von nahöstlicher DNA bei den Maya ist. Ist dies eine vernünftige Schlussfolgerung?

 

Das Rosenberg-Team wollte wissen, ob weltweite genetische Abweichungen mit den geographischen Hauptregionen zusammenfallen. Die Studie war nicht dafür vorgesehen, genetische Verwandtschaften zwischen Einzelpopulationen mit hoher Auflösung zu untersuchen. In anderen Worten, es war als wäre Rosenbergs DNA-Mikroskop auf 5fach eingestellt und Crandall interpretierte es, als wäre es auf 50fache Vergrößerung eingestellt gewesen. Um Crandalls Logik anzuwenden, wäre es genauso schädlich zu behaupten, dass italienische, französische oder russische DNA in höchsten Frequenzen unter den Maya auftritt, aber es wäre unwahrscheinlich, dass diese Behauptung bei seinem Zielpublikum Anklang finden würde. Um mit DNA-Daten irgendetwas Aussagekräftiges über die Verwandtschaft zwischen nahöstlichen Populationen und den Maya zu zeigen, müssten die Chromosomen in weit mehr Gruppen aufgeteilt werden, anstatt von sechs, wie Rosenberg und seine Kollegen sie benutzten. Folglich können wir nicht große Unterschiede zwischen französischen Chromosomen in Westeuropa und indianischen Chromosomen in Südasien erkennen, während wir mit Leichtigkeit diese Völker an Hand ihrer körperlichen Erscheinung unterscheiden können.

 

 

 

Abbildung 1. Chromosomen in globalen Populationen wurden in fünf Gruppen eingeteilt, durch verschiedene Farben angedeutet. Jede Person in einer Population (z. B. 25 Personen in der Maya-Population) wird durch eine dünne waagerechte Linie dargestellt, unterteilt in Segmente, die zu den verschiedenen Chromosomgruppen gehören. Die Maya haben signifikante, aber nicht überwältigende Anteile von blauen und rosa Chromosomen. Crandall schließt daraus, weil einige blaue Chromosomen unter den Maya auftreten, dass sie von Nahost gekommen sein müssen (aus Abb. 2 in Rosenberg u. a., 2005).

 

Ein bedeutendes Versehen vonseiten Crandalls ist die rosa DNA unter den Maya, was ein wichtiger Anhaltspunkt dafür ist, wo die blaue DNA hergekommen sein mag. Wenn wir nach einer Population suchten, die wahrscheinlich mit den Maya näher verwandt ist, wäre es logisch, Populationen in Betracht zu ziehen, die Anteile von blauen und rosa Chromosomen haben. Außerdem würde es Sinn machen, sich Populationen anzuschauen, die wir schon aus mitochondrischen und Y-Chromosom-Studien12 kennen und die mit amerikanischen Indianern verwandt sind. Ungefähr 10.000 amerikanische Indianer sind DNA-getestet worden und über 99% haben eine mütterliche DNA-Linie, die von Sibirien in Zentralasien herstammt.13 Folglich wäre es klug, sich zentralasiatische Chromosomen anzuschauen. Wenn Crandall sich nicht so ausschließlich mit dem Nahen Osten beschäftigt hätte, hätte er gesehen, dass wir in zentralasiatischen Populationen ein Fülle an blauer und rosa DNA finden (Abb. 1). Dies stimmt mit dem Gedanken überein, dass Maya-DNA weitestgehend von zentralasiatischen Populationen herstammt, genau wie die mitochondrischen und Y-Chromosom-Daten es offenbarten.

 

Crandall behauptet auch, dass es „nahöstliche Haplotypen gibt, von denen wir als Heilige der Letzten Tage erwarten würden, dass sie in dieser Maya-Population vorhanden sind, im Gegensatz zu allen kreuz und quer in Nord- und Südamerika“. Er macht diese Aussage auf der Grundlage einer einzigen nordamerikanischen Population, der Pima und dreier südamerikanischen Populationen (Abb. 1), eine alarmierende Schlussfolgerung für einen Populationsgenetiker, der eine kleine Anzahl von Populationen als studiert angibt. Die jüngste Veröffentlichung einer viel umfassenderen Studie von amerikanischen Indianerpopulationen von Sijia Wang im Jahr 2007 hat offenbart, wie weit Crandalls Schlussfolgerung vom Weg abgekommen war.14 Wang erweiterte die Anzahl studierter Populationen von 5 auf 29 und schloss ungefähr 500 Personen ein. Wie Abb. 2 zeigt weicht die DNA der Maya nicht von anderen amerikanischen Indianergruppen ab.


Abbildung 2. Farbunterteilung von chromosomaler DNA von 29 amerikanischen Indianerpopulationen und DNA von Afrika, Europa, Ostasien und Sibirien. Die Maya-Population unterscheidet sich nicht von anderen amerikanischen Indianerpopulationen. Jede Person in einer Population (der rote Pfeil zeigt auf die Maya-Probe) wird durch eine dünne senkrechte Linie dargestellt, die in Segmente unterteilt ist, die zu einer von fünf Chromosomgruppen gehören (von Wang u. a., 2007)

 

Wangs Team bezog auch Sibirier unter den Populationen ein, die sie untersuchten. DNA, die bei den Maya einmal rosa und blau in Rosenbergs Arbeit erschien (Abb. 1), erscheint jetzt zum größten Teil rot, weil sie mehr mit den Chromosomen verwandt ist, die man unter sibirischen Populationen gefunden hat (Abb. 2). Die kleinen Anteile von blauer chromosomaler DNA bei amerikanischen Indianerpopulationen sind höchst wahrscheinlich das Ergebnis von Kreuzungen mit Europäern seit Kolumbus. Dies wird durch die Tatsache gestützt, dass größere Anteile unter Algonquian-Stämmen (Cree und Chipewyan) gesehen werden, die als erste entlang der atlantischen Küste starken Kontakt hatten. Außerdem sehen wir kleine Anteile afrikanischer DNA in mehreren amerikanischen Indianerpopulationen, die die Arhuaco (Nordkolumbien), Wayuu (Nordkolumbien und Venezuela) und die Maya umfassen (Abb. 3). Die orangefarbene chromosomale DNA sieht man am deutlichsten in Abb. 2, wo sie über der blauen europäischen DNA erscheint. Diese Entdeckungen stehen im Einklang mit den mitochondrischen und Y-Chromosom-DNA-Studien an amerikanischen Indianern, die eine ähnliche niedrige Frequenz an europäischen und afrikanischen DNA-Linien quer über die beiden westlichen Hemisphären zeigen.15 Amerikanische Indianerpopulationen aus abgelegenen Gebieten des Amazonas, die die Surui und Ache umfassen, die erst vor kurzem entdeckt wurden, haben keine europäische oder afrikanische DNA.


Abbildung 3. Vergrößerter Teil von Abb. 2, der Teile von chromosomalen DNA-Gruppen bei den Maya zeigt. Die kleinen orangen Bereiche, die in den Spalten über den blauen erscheinen, weisen auf das Vorhandensein afrikanischer DNA hin.

 

Crandalls Falschdarstellung der Arbeit von Rosenbergs Team ist ungeheuerlich, wenn man bedenkt, wie weit er und andere FAIR-Apologeten gehen, um den Zuhörer mit seinen Fähigkeiten, die „heiklen“ bevölkerungsgenetischen Daten zu verstehen, zu beeindrucken. Crandall gemäß verstehen die Kritiker die Genetik der Bevölkerung nicht; nach allem, was sollte ein „Pflanzengenetiker“, wie sie mich nennen, schon wissen. „Sie verstehen die bevölkerungsgenetische Literatur nicht, weil sie keine Populationsgenetiker sind, also können sie diese Art von Daten nicht interpretieren“, sagt Crandall. „Es handelt sich um eine sehr heikle Form der Literatur“, fährt er fort, „und eine heikle Form von Daten, um die man sein Gehirn wickeln kann.“ Wie ist es möglich, dass Crandall, ein Populationsgenetiker, es schaffte, die Rosenbergdaten falsch auszulegen? Ein wichtiger Hinweis wird in Crandalls nächstem Kommentar gelüftet.

 

Aber es ist ziemlich offenkundig, wenn man sich ihre Daten besonders in dieser einen Abbildung anschaut. Sie müssen wissen, wenn Sie danach suchen, dann ist es auch da.

 

Es gibt zwei interessante Aspekte dieser Aussage. Erstens: Crandall scheint seinen Gelehrtenstatus schützen zu wollen, indem er nicht als vollkommen flügger Advokat der Position auftritt, die die DVD fördert. Beachten Sie, welche Phrasen er verwendet, als wäre es nicht unbedingt das, was er selbst glaubt; er bietet einfach nur einen hilfreichen Hinweis für jeden, der solch eine Anschauung vertreten möchte. Zweitens: Obwohl er professionellen Abstand und wissenschaftliche Objektivität wahren möchte, empfiehlt er bequem, dass Vertreter der Eingeschränkten Geographie hinausgehen und für ihre Position Beweise finden sollen. Ich sollte hier nicht zu feine Unterschiede machen, aber ich stimme zu, dass die Auslegung wissenschaftlicher Forschung heikel sein kann, besonders wenn jemandes Optionen festgelegt sind und die Person Ausschau nach Beweisen hält, die ihren Standpunkt unterstützt. Das ist das fundamentale Problem bei Crandalls Darstellung des Rosenberg-Papiers. Der BYU-Professor begeht die Apologetensünde, die Literatur zu durchsuchen, um einen Standpunkt zu beweisen – in diesem Fall einen religiösen Standpunkt. Wenig überraschend übersah er, oder er entschied, darüber nicht zu kommentieren, die Beweise, die seine Anschauung nicht unterstützten.

 

Crandalls Maya-Behauptung auf der DVD folgen direkt noch unbekümmertere Bemerkungen von John Tvedtnes, einem Sprachgelehrten der BYU, der keine molekulare Forschungserfahrung hat. Nicht überraschend werden die Behauptungen immer kühner. Tvedtnes gemäß:

 

Es gibt direkte DNA-Beweise für das Buch Mormon. Die Haplogruppe X, die von vielen Kritikern in den Abfall geworfen worden ist, während sie sagen: „Nein, man findet sie auch in Asien“; nein, der Typ X, den man in Mittelamerika findet, ist tatsächlich vom Nahen Osten.

 

Diese Behauptungen welken unter näherer Untersuchung dahin. Es gibt zurzeit keine veröffentlichten Berichte über die X-Linie in Mittelamerika oder Südamerika.16 Die Linie ist nur in Nordamerika gefunden worden, wo sie in mäßigen Frequenzen in östlichen Stämmen auftritt. Weit davon entfernt, mit nahöstlichen Linien verwandt zu sein, sind die amerikaindianischen X-Linien entfernt mit ihnen verwandt. Abb. 4 zeigt einen Stammbaum von X-Linien von Europäern, Altaianern (Sibiriern) und amerikanischen Indianern, der von Derenko und Kollegen vor sieben Jahren erstellt wurde.17 Der Baum zeigt deutlich Altai-X-Linien, die eine mittlere Position zwischen europäischen (östereichischen, bulgarischen, mitteleuropäischen, englischen, französischen, deutschen, toskanischen, türkischen) und amerikaindianischen X-Linien belegen, gerade so wie man es erwarten würde, wenn sie die Quelle für amerikaindianische X-Linien wären. Folglich sehen Molekularanthropologen außerhalb des HLT-Apologeten-Kampfes, die nicht die Beweise herauspicken, die sie mögen, keine Verbindung zwischen Neue-Welt-X-Linien und dem Nahen Osten.

 

Die detaillierteste Analyse mitochondrischer DNA von jüdischen Gruppen hat offenbart, dass die X-Linie unter den Ashkenazi-Juden äußerst selten ist und mit einer Frequenz von ungefähr 1% unter 565 getesteten Personen auftritt.18 Viele Linien, die man zuvor für X-Linien unter den Juden und nahöstlichen Populationen hielt, gehören zu einer anderen Linie, nämlich zur Haplogruppe N1b.19 Die N1b-mtDNA-Linie findet man nicht unter den amerikanischen Indianern.

 

Weitere Beweise, dass amerikanische X-Linien nicht von einer jüngeren nahöstlichen Einwanderung stammen, kommen aus einer Schätzung, wie lang es her ist, dass amerikaindianische X-Linien von ihren Ahnenlinien abgetrennt worden sind. Dies wird geschätzt, indem man studiert, wie viele neue genetische Abweichungen in den amerikaindianischen X-Linien vorhanden sind – dieselbe Vorgehensweise, die für die A-, B-, C- und D-Linien angewendet wurde.20 Es stellte sich heraus, dass amerikaindianische X-Linien seit 20.000 Jahren oder 17.000 Jahren vor der Existenz Israels in der Neuen Welt gewesen sind und schließlich jede mögliche jüngere Verbindung mit dem Nahen Osten ausschließen.21

 

 


Abbildung 4. Stammbaum der X-Linie von Europäern, Altaianern und Amerikaindianern. Die Kreise bedeuten spezifische DNA-Linien und die Durchmesser zeigen ihr Ausmaß. Das Sternchen kennzeichnet die älteste, oder angestammte mitochondrische X-Linie im Baum. Die Linien verbinden die verwandten Abstammungslinien und die Zahlen weisen auf Positionen in der mitochondrischen DNA hin, wo Mutationen aufgetreten sind und die neue mitochondrische Linien entstehen ließen. Die Abkürzungen stehen für uramerikanische (NA), altaianische (ALT), österreichische (AUS), bulgarische (BUL), mitteleuropäische (CE), englische (ENG), französische (FRE), deutsche (GER), toskanische (TUS) und türkische (TUR) Populationen (Derenko u. a., 2001).

 

Bei weiteren Versuchen DNA-Linien zu finden, die auf dem Weg nach Amerika Asien umgangen sind, stolpert Tvedtnes von einer zweifelhaften Haplogruppen-Behauptung zur nächsten. Dieses Mal handelt es sich um eine N-Linie, die man bei Europäern und amerikanischen Indianern findet, aber - wichtiger noch - nicht bei Asiaten:

 

Es gibt auch noch eine, die N genannt wird. Sie wird auch in anderen Teilen der Welt gefunden. Sie wird in Europa gefunden. Und einige N-Typen sind hauptsächlich im Westen zwischen den Gebirgen gefunden worden, tatsächlich unter der Fremont-Kultur. Aber sie sind auch hinten im Osten gefunden worden, in den östlichen Staaten. N scheint überhaupt nicht von Asien gekommen zu sein.

 

Die „N“-Linie, auf die Tvedtnes sich bezieht, ist eine unbekannte Linie, die von Ryan Parr 1996 unter altertümlichen Proben von der Fremont-Kultur in der Sumpflandschaft am Großen Salzsee in Utah identifiziert wurde.22 Zur Zeit von Parrs Papier waren einige verwirrende DNA-Linien bei nordamerikanischen Indianern aufgetaucht, die nicht in die Familien der A-D-Linien fielen. Der Einfachheit halber wurden diese unbekannten Linien als N-Linien klassifiziert. Erst zwei Jahre später fand man heraus, dass die überwiegende Mehrheit davon zur X-Familie gehört, einer Gruppe von Linien, von der man jetzt weiß, dass sie von Asien herstammt.23 Tvedtnes bringt eine Klasse von Linien, die man in Europa fand – die echte N-Familie – mit dem Namen durcheinander, den Parr und andere einer Reihe unbekannter Linien gegeben hatten, die vor einem Jahrzehnt entdeckt wurden. Entgegen Tvedtnes wurde die N-Linie in Asien gefunden.24 Wenn dies wirklich dem Wesentlichen der Debatte etwas beigetragen hätte, warum sprach Parr – der Autor der Fremont-Studie, der auch auf der DVD erscheint – nicht selbst über diesen Beweis, anstatt es einem Linguisten zu überlassen, seine Arbeit auszulegen?

 

Eines der schwierigsten Probleme für die Theorie der Eingeschränkten Geographie ist es, zu erklären, warum Millionen eingeborener amerikanischer Indianer im Buch Mormon nicht erwähnt wurden. Der Mangel an Unterstützung durch Heilige Schrift für das Vorhandensein dieser „anderen“ außerhalb der israelitischen Zivilisationen wird durch die Armut an Argumenten illustriert, die in der FAIR-DVD vorgetragen werden. Das mysteriöse Erscheinen eines Mannes unter den Nephiten namens Sherem, achtzig Jahre nachdem die Lehiten ankamen, wird von Michael Ash als Beweis dafür angeführt, dass andere unbekannte Gruppen in der Nähe gewesen sein mussten.25 Sherem war dem Nephitenführer Jakob unbekannt, somit musste das Erscheinen dieses Mannes die Erklärung für die Millionen unsichtbarer amerikanischer Indianer sein. Ist dies die einzige vernünftige Erklärung? Was ist mit den Mulekiten, die den Nephiten zu der Zeit unbekannt waren und in ihrer Umgebung Land bewohnten? John Tvedtnes erwähnt auf der DVD sogar die Mulekiten als Beweis dafür, dass „andere“ vorhanden waren! Was ist mit den Jarediten, die ebenfalls das Territorium besiedelten, als schließlich die Lehiten hinüber kamen? Was ist das Mysterium? Sherems Erscheinen kann einfach innerhalb der Buch-Mormon-Geschichte erklärt werden und ohne Bezug zur wirklichen Welt.

 

Jeffrey Meldrum glaubt, dass „wiederholte Aussagen von Personen“ im Buch Mormon, dass sie „reine Nachkommen Lehis“ wären, besonders aufschlussreich sind. Er erklärt, dass „es sehr wahrscheinlich wäre, dass das restliche Volk heiratete und von Personen aus der Urbevölkerung assimiliert wurde“. Meldrums Versäumnis andere einfache Erklärungen für den einzelnen – nicht wiederholt zitierten – reinen Nachkommen ist bestürzend.26 Er scheint die Zoramiten und die Ishmaeliten übersehen zu haben. Die mulekitische Zivilisation, die ihren Hauptsitz in Zarahemla hatte, hatte gemäß dem Buch Mormon mit der lehitischen Zivilisation mehrere hundert Jahre vor dieser Zeit Kontakt.

 

Vertreter der Nordamerikanischen Geographie

Eine neue Gruppe von Apologeten haucht einer Geographie-Theorie, die lange Zeit von den Mainstream-BYU-Apologeten mit Misstrauen betrachtet wurde, neues Leben ein. Mit Rod Meldrum27, einem Nichtwissenschaftler mit Marketing-Hintergrund, als Speerspitze argumentiert diese wieder aufkommende Theorie, dass die Buch-Mormon-Ereignisse nicht in Mittelamerika stattfanden, sondern eher in den nordwestlichen Vereinigten Staaten in der Gegend des Ohio-Tales und der Großen Seen. Meldrum schließt sich in seiner Kampagne der Mitmormone Wayne May an, Redakteur und Herausgeber des Ancient American28, eines Magazins, das überwiegend von Mormonen produziert wird. Der Redaktionsstandunkt des Journals ist, dass es „fest auf Beweisen für die Ankunft von Besuchern aus Übersee in Amerika Hunderte und sogar Tausende von Jahren vor Kolumbus steht“. Über diese Besucher wird geglaubt, dass sie zur „Geburt und Entwicklung von zahlreichen und hochentwickelten Zivilisationen“ beigetragen haben, „die in vorkolumbianischer Zeit auf den gesamten amerikanischen Kontinenten blühten“.

 

Shawn Davies, Präsident der Ancient Historical Research Foundation (AHRF), eine weitere Sammlung von mormonischen Amateurarchäologen, die eine Website am Rande der Neue-Welt-Archäologie betreiben, hat sich ebenfalls Meldrum angeschlossen. Davies ist eine IT-Autorität mit zwanzig Jahren Erfahrungen auf dem Feld als Amateur. Der wissenschaftliche Berater Steven E. Jones ist ein BYU-Physiker, der überzeugt ist, dass das World Trade Center durch kontrollierten Abriss während der Angriffe am 11. September zerstört wurde. Seine öffentlichen Erklärungen brachten der BYU beträchtliche Schwierigkeiten ein, was ihn Ende 2006 aus den akademischen Pflichten entfernte.

 

Ein Schlüssel zum Verkauf der Nordamerika-Theorie ist, dass sie zwei unangenehme Erfordernisse vom Modell der Eingeschränkten Geographie entfernt: Die beiden Cumorahs und die 3000-Meilen-Reise Moronis, um die Platten in New York zu deponieren. Traditionelle Auslegungen, die gegenwärtig von den meisten Mormonen getragen werden, fühlen sich bei dieser Theorie wohl. Meldrum und sein Team haben ein interessantes Aufgebot an archäologischen Beweisen in einer vierstündigen DVD mit dem Titel DNA Evidence for Book of Mormon Geography29 zusammengetragen, um diese Theorie zu unterstützen. Populationsgenetik macht nur einen kleinen Teil der Geschichte aus, die auf der DVD präsentiert wird, aber Meldrum scheint sich der machtvollen Wirkung, die Genforschung hat, bewusst zu sein.

 

In der begrenzten Aufmerksamkeit, die auf der DVD dem Thema gegönnt wird, begegnen wir wieder einmal dem Auftreten der X-Linie in Nordamerika.30 Sie war bei den Algonquian-Indianern an der Ostküste und in den Ohio- und Mississippitälern ganz gewöhnlich. Ich habe schon die Hauptlinien der Beweise beschrieben, die jede X-Linien-Verbindung mit dem Nahen Osten ausschließen, aber Meldrum stellt zusätzliche Behauptungen auf, die erwähnt werden sollten. Seine Methode ist es, Zitate von Wissenschaftlern auszuschneiden, die vor Jahren während der Periode direkt vor und bald nach der Entdeckung der X-Linie unter den Altai in Sibirien geäußert wurden. Er ist in der Lage, beträchtlichen Nutzen aus Fragen zu ziehen, die während jener frühen intensiven Debatte um den Ursprung der X-Linie aufkamen. Mainstream-Molekularanthropologen sind sich jetzt einig, dass sie eine von den ursprünglichen fünf Grundlinien ist, die sich seit ungefähr 20.000 Jahren in der Neuen Welt befinden.31 Meldrum macht eine Menge aus der Tatsache, dass X-Linien der amerikanischen Indianer zwei zusätzliche Mutationen enthalten, die sie von den Altai unterscheiden; er weiß wahrscheinlich nicht, dass alle vier mütterlichen Linien (A, B, C und D) der amerikanischen Indianer 2-3 zusätzliche Mutationen enthalten, die sie von asiatischen A-, B-, C- und D-Linien unterscheiden. Sie sind alle mit den Linien in Asien entfernt verwandt, weil sie zwei Jahrtausende getrennt gewesen sind.

 

Vertreter Alternativer Geographien

 

Es mag einige Leser überraschen, dass es viele Apologeten gibt, die denken, dass sich die Buch-Mormon-Ereignisse außerhalb Amerikas zutrugen. Das Gewicht wissenschaftlicher Beweise gegen die Wahrscheinlichkeit einer Amerika-Besiedelung ist genügend zwingend und ihr Glaube an die historischen Ansprüche des Buches Mormon genügend unbeugsam gewesen, dass sie nach anderswo Ausschau hielten. Ralph Olson, ein Chemie-Professor im Ruhestand, hat argumentiert, dass die Erzählung besser auf die Malayische-Halbinsel als auf Mittelamerika passt.32 In seinem Buch A More Promising Land of Promise präsentiert er ein ausgewähltes Aufgebot an Beweisen, um seiner Theorie Rückendeckung zu geben, eingestreut mit Kritik an der Eingeschränkten Geographie, einschließlich der Herausforderung, die DNA-Studien schufen. Zur Verteidigung von Olson überwindet die Verlagerung der Buch-Mormon-Erzählung nach Asien geschickt die Anachronismen, wie das Nichtvorhandensein von Pferden der Alten Welt, von Rindern und Ziegen und Feldfrüchten wie Weizen und Gerste. Ich werde nicht auf Olsons Theorien verweilen, da die Mainstream-Apologeten an ihnen kein Interesse gezeigt haben. Es ist nicht ausreichend DNA-Forschung an dem heimischen Volk auf der Malayischen Halbinsel durchgeführt worden; aber von Noah Rosenberg wurde gezeigt, dass die Kambodschaner mit anderen Ostasiaten eng verwandt sind, die mit Nahostvölkern nur entfernt verwandt sind.

 

Zusammenfassung

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz der HLT-Apologeten, das besagt, dass die Geschichtlichkeit des Buches Mormon nicht in Frage gestellt werden kann. Folglich sammeln Apologeten unschlüssige Beweise, die eine festgelegte Meinung unterstützen, während sie die Beweise vom Gegenteil ignorieren. Ein zweites Gesetz – in den Worten Ronald Reagans zum Ausdruck gebracht: „Du sollst nicht über andere Republikaner schlecht reden“ - ist ebenso wahr, da Apologeten selten andere Apologeten öffentlich anschwärzen.

 

Die amerikanischen Indianer stammen nicht von Israeliten ab. Dies ist die klare Botschaft einer ein Jahrhundert langen Forschungsarbeit von Tausenden von Archäologen und Anthropologen. Diese Forschungsarbeit hat offenbart, dass die ursprünglichen Amerikaner den Kontinent ungefähr vor 20.000 Jahren betraten. Vor ungefähr 10.000 Jahren begannen die Uramerikaner unabhängig von Zivilisationen der Alten Welt ihre eigenen Zivilisationen zu entwickeln und ihre eigenen Neue-Welt-Früchte (Mais, Bohnen, Kürbis) und Tiere (Lamas, Truthühner, Alpakas) zu züchten. Es gibt überhaupt keinen schlüssigen Beweis, dass Alte-Welt-Zivilisationen irgendeinen signifikanten Kontakt mit amerikaindianischen Kulturen bis 1000 n. Chr. mit der Ankunft der Norweger in Neufundland hatten. Die Errungenschaften der amerikanischen Indianer sind ihr eigener Verdienst; die Indianer haben ihre eigenen einheitlichen Ursprünge und ihre eigene Geschichte, und die Nachkommen des ersten Volkes, das die Neue Welt bewohnte, werden mit den Mormonen ungeduldig, die ihnen ihre Mythologien europäischen Stils aufdrängen. In ähnlicher Weise werden Wissenschaftler ungeduldig mit nichtwissenschaftlicher Sensationslust oder ihrer Rosinenpickerei, womit sie sich ihren Weg durch die technische Literatur bahnen – besonders mit denen, die beginnen die Grundlagen der Wissenschaft mit theologischen Anmaßungen in Frage zu stellen.

 

Fußnoten

 

  1. David G. Stewart, „DNA and the Book of Mormon“, online unter FAIR: Defending Mormonism (www.fairlds.org/FAIR_Conferences).

  2. Ashkenazi Juden stammen von mittelalterlichen jüdischen Gemeinschaften ab, die das Rheinland besiedelten.

  3. Wissenschaftler vermuten, dass das Vorhandensein der Q-Linie unter europäischen (Ashkenazi) Juden über das Khazar-Volk zu erklären ist, die sich im achten Jahrhundert zum Judentum bekehrten. Die Khazar wohnten dort, wo sich jetzt die Ukraine befindet, aber wanderten später nach Osteuropa aus und vermischten sich dort mit der Diaspora. Dies wird von Levy-Coffman E (2005) erörtert. Ein Mosaik von Völkern: Die jüdische Geschichte und eine Neueinschätzung der DNA-Beweise. Journal of Genetic Genealogy 1:12-33.

  4. Tambets K, Rootsi S, Kivisild T u. a. (2004), Die westlichen und östlichen Wurzeln der Saami- die Geschichte der Genetik-“Ausleger“, erzählt von mitochondrischer DNA und Y-Chromosomen. American Journal of Human Genetics 74:661 und Karafat T, Zegura SL, u. a. (1999) Angestammte asiatische Quelle(n) von Stamm-Haplotypen der Neue-Welt-Chrosomen. American Journal of Human Genetics 64:817-31.

  5. Zakharov IA, Derenko MV, Maliarchuk BA u. a. (2004), Mitochondrische DNA-Variation bei Ureinwohner-Populationen der Altai-Baikal-Region: Hinweise auf die genetische Geschichte Nordasiens und Amerikas. Annals of the New York Academy of Science 1011-21-35.

  6. Zegura SL, TM Karafet, LA Zhivotovsky, M. F. Hammer (2004), SNPs hoher Auflösung und Mikrosatellit-Haplotypen weisen auf eine einzige, jüngere Einwanderung von uramerikanischen Y-Chromosomen nach Amerika, Molekularbiologie und Evolution 21:164-175 und Seielstad, Mark T u. a. (2003) Eine neue Y-Chromosom-Variante setzt nach oben eine Grenze für den ersten Eintritt auf den amerikanischen Kontinent. American Journal of Human Genetics 73:700-705.

  7. Achilli A, Perego UA, Bravi CM u. a. (2008), Die Phylogenie der vier panamerikanischen mtDNA-Haplogruppen: Hinweise auf Studien der Evolution und Krankheit, PloS ONE 3(3): e1764. Doi: 10.1371/journal.pone.0001764. Ugo Perego und Scott Woodward sind Mormonen, die an der Sorenson Molecular Genealogy Foundation (SMGF) in Salt Lake City arbeiten.

  8. 2. Nephi 1:8

  9. The Book of Mormon and New World DNA:

Teil 1 http://www.youtube.com/watch?v=--LJJcaSNps

Teil 2 http://www.youtube.com/watch?v=rlvbbZASUdA

    Teil 3 http://www.youtube.com/watch?v=JWg2Oi6md0w

  1. Bigfoot Anatomy“ Scientific American November 2007

  2. Rosenberg NA, Mahajan S, Ramachandran S u. a. (2005) Cline, clusters, and the effect of study design on the inference of human population structure. PloS Genetics 1:660-671.

  3. Mütterliche DNA-Linien werden von DNA-Entzifferungsherausforderungen in mitochondrischer DNA definiert, ein kleiner Teil menschlicher DNA wird von Müttern an ihre Kinder weitergegeben. Man studiert ausgiebig, um menschliche genealogische Verwandtschaften zu lüften. Y-Chromosom-DNA wird studiert, um die väterlichen Linien zu enthüllen.

  4. Losing a Lost Tribe: Native Americans, DNA, and the Mormon Church, S. 88-92, 213-222.

  5. Wang S, Lewis CM, Jakobsson M u. a. (2007). Genetische Variation und Populationsstruktur bei Ureinwohnern Amerikas. PloS Genentics 3:2049-2067.

  6. Siehe Anhang B in Losing a Lost Tribe, S. 213-220.

  7. Mitochondrische DNA von zweien aus sechzig Personen unter den Maya konnte nicht als A-, B-, C- oder D-Linie eingeordnet werden; aber bis heute sind sie nicht ausreichend charakterisiert worden, um sie als X-Linien zu bestimmen. Siehe Gonzales-Oliver A, Màrquez-Morfin L, Jimènez JC u. a. (2001). Entdeckung amerikaindianischer mitochondrischer DNA-Linien bei altertümlichen Maya von Xcaret, Quintana Roo. American Journal of Physical Anthropology 11:230-235. Die X-Linie ist in Südamerika nicht vorhanden oder selten. Siehe Dornelles CL, Bonatto SL, de Freitas LB u. a. American Journal of Physical Anthropology 127:439-448.

  8. Derenko MV, Grzybowski T, Malyarchuk BA u. a. (2001) Das Vorhandensein der mitochondrischen Haplogruppe X bei Altaianern aus Südsibirien. American Journal of Human Genetics 69:237-41. Siehe auch Reidla M, Kivisild T, Metspalu E u. a. (2003). Ursprung und Diffusion der mtDNA-Haplogruppe X. American Journal of Human Genetics 73:1178-90.

  9. Behar, DM, Hammer MF, Garrigan D u. a. (2004) MtDNA-Beweise für einen genetischen Flaschenhals in der frühen Geschichte der Ashkenazi-Judenpopulation. European Journal of Human Genetics 12:355-364.

  10. Ebenda.

  11. Siehe Achilli u.a. (2008) für Altersschätzungen für die vier Hauptlinien der amerikanischen Indianer (A, B, C und D)

  12. Reidla M, Kivisild T, Metspalu E u. a. (2003). Ursprung und Verbreitung der mtDNA-Haplogruppe X. American Journal of Human Genetics 73:1178-90; Brown MD, Hosseini SH, Torroni A u. a. (1998). MtDNA-Haplogruppe X: Ein altertümliches Bindeglied zwischen Europa/Westasien und Nordamerika? American Journal of Human Genetics 63:1852-61. Alle obigen Aufsätze, die sich auf die X-Linie beziehen, wurden in Losing a Lost Tribe, S. 89-92, 96, ausführlich behandelt; Fagundes NJR, Kanitz R, Eckert R u. a. (2008) Mitochondrische Populationsgenomen unterstützen einen einzigen präclovischen Ursprung mit einer Route entlang der Küste zur Bevölkerung Amerikas. American Journal of Human Genetics 82:583-592.

  13. Parr RL, Carlyle SW und O'Rourke DH (1996) Analyse altertümlicher DNA von Fremont-Indianern aus den Great-Salt-Lake-Sümpfen. American Journal of Physical Anthropology 99:507-18.

  14. Brown MD, Hosseini SH, Torroni A u. a. (1998) MtDNA-Haplogruppe X: Ein altertümliches Bindeglied zwischen Europa/Westasien und Nordamerika? American Journal of Human Genetics 63:1852-61. Smith DG, Ripan S, Malhi RS, Eshleman J u. a. (1999) Verbreitung der MtDNA-Haplogruppe X unter den Ureinwohnern Nordamerikas, American Journal of Physical Anthropology 110:271-84.

  15. Palanichamy M, Sun C, Agrawal S u. a. (2004) Phylogenie der mitochondrischen DNA-Makrohaplogruppe N in Indien auf der Grundlage vollständiger Sequenzen; Hinweise für die Bevölkerung Südasiens. American Journal of Human Genetics 75:966-978.

  16. Der Bericht über Sherem befindet sich in Jakob, Kapitel 7.

  17. Ein Dursuchen des Buches Mormon auf www.lds.org enthüllt ein einziges Zitat über einen „reinen Nachkommen“ in 3. Nephi 5:20 (ca. 26 n. Chr.), lange nach dem ersten Kontakt zwischen mulekitischen und lehitischen Zivilisationen (ca. 300 v. Chr.).

  18. Rod Meldrum und Jeffrey Meldrum sind offensichtlich eng verwandt.

  19. Ancient American, online unter http://ancientamerican.com/index.html

  20. DNA Evidence for Book of Mormon Geography.

  21. Im April 2008 erschienen zwei kurze Ausschnitte aus der DVD im Internet auf YouTube: DNA Evidence for Book of Mormon Geography, Teile I und II (www.youtube.com)

    Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=tIPcnmvz-OE

    Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=metSCqt95V8&feature=related

    Die Stimme des Erzählers ist digital verzerrt und die Anzeigen, die die DVD auf Rod Meldrum verlinken, erscheinen zweimal, wobei die erste zahlreiche orthographische Fehler enthält, als sollte der Anschein erweckt werden, dass das Posting auf YouTube nicht von Rod Meldrum autorisiert worden ist.

  1. Siehe Fagundes u. a. (2008), das eine umfassende Studie der Variation in der gesamten Frequenz von mitochondrischen Genomen von 86 amerikanischen Indianern von den fünf Grundlinien A-D und X enthält.

  2. Ralph A Olson A More Promising Land of Promise, Vivid Volumes, 2006.

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