Es tut uns Leid, Sie sind kein Lamanite

Es tut uns Leid, Sie sind kein Lamanite

Das HLT-Handbuch „Evangeliumsgrundsätze“ von 1997 verkündet:

Große Zahlen von Lamaniten in Nord- und Südamerika und im Südpazifik empfangen jetzt die Segnungen des Evangeliums. (Gospel Principles, Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, 1997, S. 268)

HLT-Missionare in ganz Nord- und Südamerika präsentieren das Buch Mormon den Ureinwohnern Amerikas mit der Behauptung, dass es der religiöse Bericht ihrer Vorväter ist. Mit schätzungsweise 5 Millionen Mitgliedern in Mittel- und Südamerika und den Pazifischen Inseln sieht sich die Kirche einem Problem gegenüber. Offensichtlich nehmen viele dieser Menschen an, dass sie direkte Nachkommen von Lehi sind. Simon Southerton schrieb:

Einhundertsiebzig Jahre lang nach seiner Veröffentlichung ist das Buch Mormon immer noch der Mittelpunkt im sich entfaltenden Drama des Mormonismus. Als direkte Folge dieses Buches betrachten die meisten uramerikanischen Heiligen der Letzten Tage in ganz Amerika den Israeliten Lehi als ihren Blutsverwandten. In Predigten, Gebeten, Magazinen, Unterrichtshandbüchern und Büchern haben Führer wiederholt über das lamanitische Geburtsrecht der Ureinwohner gesprochen. Mit voller prophetischer Unterstützung hat sich die moderne Lamanitenfamilie ausgeweitet, um nicht nur die Ureinwohner Amerikas einzuschließen, sondern auch die Polynesier…(Losing a Lost Tribe, S. 37)

Der anonyme Autor des Artikels “ Reframing the Book of Mormon" bemerkte:

Während das Paradigma der eingeschränkten Geographie, des eingeschränkten Volkes sichtbarer wird, suchen gläubige Mitglieder nach Führung. In der Diskussionsperiode die auf einer Präsentation an der BYU im Januar 2003 folgte, fasste ein junger peruanischer Student das Dilemma zusammen. Er erzählte der Zuhörerschaft und den Diskussionsteilnehmern, wie er in dem Glauben aufwuchs, dass er ein Lamanite wäre, und nun fühlte er sich “von der Überraschung, die von der Wissenschaft kam, überwältigt… Wir wissen nicht, wo sich das Buch Mormon abspielte. Wie wissen nicht, wo die Lamaniten sind. Wenn wir nicht wissen, wo die Lamaniten sind, wie kann das Buch Mormon verheißen, sie zurückzubringen? Es ist eine Identitätskrise für viele von uns, das [muss] man verstehen“. ("Reframing the Book of Mormon," Sunstone, März 2004, S. 19)

Offensichtlich wurde derselbe peruanische Student für einen Artikel in den Seattle Times interviewt. Die Reporterin Patty Henetz schrieb:

Während sich die Arbeit der BYU-Gelehrten hauptsächlich auf intellektuelle Kreise beschränkt, erleiden einige Kirchenmitglieder, die sich immer mit den Mormonenlehren über das Volk, das man als Lamaniten kennt, identifiziert hatten, eine Krise.

“Es ist sehr schwierig. Es ist fast traumatisierend.“ sagte Jose Aloayza, ein Jurist in Midvale, Utah, und peruanischer Ureinwohner, der das Sich-Gegenübersehen dieser neuen Realität mit dem Starren in einen geistigen Abgrund verglich. „Es ist so ernst, so real. Ich habe hier fast das Gefühl, dass ich eine Rechtfertigung benötige. Unsere Propheten sollten es besser wissen. Das ist das Gefühl, das ich bekomme.“ ("DNA Results Challenge Core Mormon Beliefs," Local News, Seattle Times, 14. Aug. 2004)

Wenn die Indianer Nord- und Südamerikas asiatischer Herkunft sind, warum erzählen die HLT-Propheten, Apostel und Missionare ihnen weiterhin, dass sie von Vater Lehi abstammen?

Während sich mehr und mehr amerikanische Indianer, die annehmen, dass sie buchstäbliche Nachkommen Lehis sind, der veränderlichen Position der Kirche bewusst werden, könnte es zu wachsendem Missmut in den Rängen führen. Simon Southerton bemerkte:

Es scheint, dass unter den Hindernissen, denen sich die Kirche gegenüber sieht, der wirkliche Stolperstein nicht das Fehlschlagen des Auffindens von Beweisen für Pferde, Metallurgie oder das Rad in der Neuen Welt ist, oder die Tatsache, dass es keinen Beweis für einen hebräischen Einfluss in Mittelamerika gibt, oder das Übergewicht von asiatischer DNA unter den lebenden Ureinwohnern Amerikas und den Polynesiern. Die wirkliche Herausforderung kommt von einem Versagen, den Beweisen offen gegenüber zu treten und zu erklären, was es für die Kirche bedeutet, genauso wie ein Versagen sich den Apologeten anzupassen, die sich selbst von der Beharrlichkeit der Kirche eingeschlossen fühlen, dass Mitglieder Grundsätze glauben, die deutlich unwahr sind… Die Theorien der Apologeten in Bezug auf eine minderheitliche Lehitenkolonie, die in einer irgendwie unbekannten Ecke existierten und keine dauerhafte Einwirkung auf Amerika hatten, sind für Mainstream-Wissenschaftler gleichermaßen unbefriedigend. Orthodoxe Mormonen können sich eine solche Neuauslegung des Buches Mormon nicht vorstellen, und deshalb zögern die gegenwärtigen Propheten, das Problem öffentlich anzusprechen…

Die Brüder erkennen ohne Zweifel, dass das Ändern der Art und Weise wie Mormonen über das Buch Mormon denken, eine Spaltung und Unruhe und das Risiko herbeiführen würde, die Grundlage dessen zu untergraben, worauf viele Menschen ihre Überzeugungen gebaut haben… Millionen Mitglieder fühlen eine Familienbande mit Vater Lehi, eine Emotion, die ständig eine zentrale Rolle bei der Bekehrung der Menschen zur Kirche spielt. Die Generalautoritäten sind sich bewusst, wie tiefsitzend und entscheidend diese Gefühle beim Prozess der Bekehrung und dem Dabeibleiben sind. (Losing a Lost Tribe, S. 206)

Werden die HLT-Führer jemals öffentlich erklären, dass die Hauptvorfahren der Ureinwohner Amerikas eher von Asien als von Jerusalem kamen? Werden sie klären, wer ein Lamanite ist? Wird der Prophet jemals die Örtlichkeit der Buch-Mormon-Länder bekannt geben? Werden HLT-Missionare damit aufhören, dem potentiellen uramerikanischen Bekehrten zu sagen, dass das Buch Mormon ein Bericht seiner Vorfahren ist? Können diese Fragen gelöst werden, ohne dem Kirchenwachstum großen Schaden zuzufügen? Die Antwort auf all diese Fragen lautet wahrscheinlich: „Nein“.

Es ist für HLT-Führer Zeit, diesen Fragen ins Gesicht zu sehen. Einige haben vorgeschlagen, dass die Kirche die historischen Ansprüche des Buches Mormon fallen lassen und es als eine inspirierte Allegorie ansehen sollte. Trotzdem ist es aber nicht glaubenswert. Thomas Murphey bemerkte:

Als Mormonen haben wir eine moralische und ethische Verpflichtung, diese Sichtweise von den Ursprüngen der Uramerikaner fortzusetzen und die anstößige Lehre, dass eine dunkle Haut ein körperliches Merkmal für einen Fluch Gottes ist, öffentlich nicht gut zu heißen. ("Lamanite Genesis, Genealogy, und Genetics," von Thomas W. Murphy, American Apocrypha: Essays on the Book of Mormon, Signature Books, 2002, S. 68)

Das Buch Mormon ist zusammen mit seinen rassistischen Lehren ein Produkt des neunzehnten Jahrhunderts und kein historischer Bericht vom Umgang Gottes mit israelitischen Auswanderern nach Amerika. Weitere Informationen über HLT-Einstellungen gegenüber den Uramerikanern finden Sie in Armand Mauss’ Buch All Abraham's Children.

Denjenigen, die mehr Information über das Thema DNA wünschen, empfehlen wir Simon Southertons neues Buch Losing a Lost Tribe: Native Americans, DNA, and the Mormon Church, und den Film DNA vs. The Book of Mormon.


 

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